Tardis & Friends Menu
Anmelden

Läufigkeit der Hündin - der Zyklus erklärt!

02.04.2020

Mindestens einmal im Jahr ist es soweit und die intakte Hündin wird läufig. Doch was steckt eigentlich dahinter? Wieso ist die Läufigkeit der Hündin etwas ganz anderes als die Menstruation der Frau? Was passiert im Laufe des Jahres mit deiner Hündin, wie kannst du die entscheidenen Phasen erkennen und was haben eigentlich Hormone damit zu tun? Wir erklären es Dir!

Läufigkeit der Hündin - der Zyklus erklärt!

Der weibliche Zyklus beim Hund

Der Sexualzyklus ist das wichtigste Kennzeichen der weiblichen Fortpflanzung. Er beschreibt den Zeitraum zwischen einer Läufigkeit und der nächsten Läufigkeit. In regelmäßigen Abständen reifen Follikel heran und sorgen dafür, dass die Hündin paarungsbereit wird. Diese Phase nennt man Follikelphase. Sind die Follikel reif, kommt es zum Eisprung (auch Ovulation genannt). Das heißt, die Eizelle löst sich aus ihrer Umgebung. Aus den Resten des Follikels bildet sich nach dem Eisprung der Gelbkörper (auch Corpus Luteum genannt). Dieser produziert die Hormone Östrogen und vor allem Progesteron, welches für die Aufrechterhaltung einer möglichen Trächtigkeit besonders wichtig ist. Diese Phase nennt man Gelbkörperphase. Wenn es nicht zu einer Trächtigkeit kommt, geht der Gelbkörper unter. Dieser Prozess wird Luteolyse genannt. Der Zyklus beginnt im Anschluss von vorne. Für die Regulation dieses Ablaufs spielen Hormone eine entscheidende Rolle.

Abb. 1: Der Sexualzyklus der Hündin - Allgemeine Darstellung

Die Läufigkeit der Hündin ist keine Menstruation

Den Sexualzyklus der Hündin darf man nicht mit dem Menstruationszyklus der Frau verwechseln. Der Menstruationszyklus umfasst den Zeitraum zwischen dem Anfang einer Monatsblutung und dem Anfang der nächsten Monatsblutung. Doch neben dem Menschen haben nur wenige Säugetiere (fast ausschließlich Primaten) eine Menstruation. Bei der Menstruation werden Schleimhäute, die sich zuvor aufgebaut haben, aus dem Körper abgestoßen – wir kennen das als Menstruationsblutung. Bei der Hündin hingegen werden die Gebärmutterschleimhäute nicht abgestoßen, sondern umgebaut. Die Blutung der Hündin während der Läufigkeit entsteht jedoch nicht beim Umbau, sondern bereits beim Aufbau der Gebärmutterschleimhäute. Diese wachsen nämlich in der Regel sehr schnell und werden so stark durchblutet, dass es durch minimale Verletzungen der Blutgefäßchen zu Blutungen kommt.

Zyklus und Läufigkeit der Hündin im Detail

Der Zyklus der Hündin ist monoöstrisch und meistens nicht saisonal. Das bedeutet, dass Hündinnen in der Regel nur einmal im Jahr zyklisch sind und dabei von der Jahreszeit unabhängig paarungsbereit werden. Die Gesamtdauer des Zyklus kann zwischen 5 und 12 Monaten liegen und variiert stark zwischen unterschiedlichen Rassen, aber auch von Hündin zu Hündin . Auf Richtwerte kann man sich also in keinem Fall verlassen! Auch wenn einige Hündinnen daher zwei oder gar drei mal im Jahr läufig werden, bezeichnet man sie trotzdem als monoöstrisch.

Der Sexualzyklus der Hündin lässt sich in fünf Phasen unterteilen – den Proöstrus, den Östrus, den Metöstrus / Diöstrus, den Anöstrus sowie den Prä-Proöstrus. Im Laufe dieser Phasen kommt es zur Veränderung in den Eierstöcken und an der Gebärmutterschleimhaut. Die Läufigkeit der Hündin umfasst den Zeitraum des Proöstrus und des Östrus. Doch nur im Östrus ist die Hündin paarungsbereit, hier muss man besonders aufpassen. Die Hündin zeigt den „heißen“ Zeitpunkt durch Verhaltensweisen wie zum Beispiel das „Schwanz-Beiseite-Legen“ und „Anbieten“. In diesem Zeitabschnitt kommt es zur Ovulation. Allerdings hält sich diese nicht an einen festen Zeitplan. Für Züchter ist es also eine große Herausforderung, den optimalen Deckzeitpunkt zu finden. Wenn die Hündin nicht mehr paarungsbereit ist, beginnt die Phase des Metöstrus / Diöstrus. Hier bilden sich die Gebärmutterschleimhäute wieder um (sie regenerieren sich). Im darauf folgenden Anöstrus spricht man von einer Ovarruhe – die Eierstöcke sind in einem nicht aktivem Zustand. Da der Anöstrus nicht nur durch die Rasse, sondern auch durch das Alter sowie Umwelteinflüsse und den Gesundheitszustand stark beeinflusst wird, ist diese Phase der Grund dafür, dass sich die Zykluslänge von Hündinnen so extrem unterscheiden kann.

Abb. 2: Die Phasen des Sexualzyklus der Hündin

Wichtig! Noch (zu) oft hört man, dass die heiße Phase der Hündin mit dem Ende der Blutung vorbei ist. Das ist insbesondere für Hündinnenhalter die keinen Nachwuchs planen eine gefährliche Fehlannahme. Wie oben schon geschrieben, beginnt die heiße Phase der Läufigkeit (mit Östrus und Eisprung) in der Regel erst nach dem Versiegen der Blutung. Das heißt, gerade in den Tagen nach der Blutung muss der Halter besonders Aufmerksam sein!

Die hormonelle Steuerung des Zyklus der Hündin

Doch wie wird das ganze nun eigentlich gesteuert? Wie bereits erwähnt sind Hormone eine treibende Kraft des Zyklus der Hündin. Damit alles reibungslos abläuft, ist ein komplexer neuroendokriner Regelkreis von Nöten. Dies ist ein System das sowohl Neurosekrete als auch Hormone produziert. Hier spielen insbesondere drei Organe eine wichtige Rolle – der Hypothalamus, die Hypophyse und die Ovarien. Zusammen werden sie auch Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse genannt. Sie kommunizieren über unterschiedliche Botenstoffe miteinander und haben aufeinander Einfluss. Ein ganz entschiedener Prozess dabei sind Rückkopplungsschleifen. Das bedeutet, dass sich die Stoffe durch ihre Ausschüttung gegenseitig oder sogar selbst hemmen bzw. fördern können.

Abb. 3: Die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse

Mit diesem Regelkreis im Hinterkopf fällt es gar nicht mehr so schwer, die Abläufe während des Zyklus zu verstehen. Wie bereits oben erklärt bilden sich nach dem Eisprung aus den Überresten der Follikel die Gelbkörper, welche Progesteron abgeben. Progesteron ist für die Aufrechterhaltung einer möglichen Trächtigkeit besonders wichtig. Zunächst steigt der Progesteronspiegel im Metöstrus. Bleibt die Trächtigkeit jedoch aus, sinkt der Progesteronspiegel wieder und die Gelbkörper gehen unter. Im Anöstrus kommt es zu einer hormonellen Ruhephase, in der sich die für den Kreislauf wichtigen Hormone auf einem konstanten und niedrigen Level befinden. Gegen Ende des Anöstrus und mit Beginn des Prä-Proöstrus kommt es aus noch nicht bekannten Gründen zu einer gesteigerten Aktivität in der der Hypothalamus-Hypophysen-Gnaden Achse und die Ausschüttung von LH und FSH erhöht sich, der Östrogenspiegel steigt, die Follikel beginnen zu reifen. Wenn der Östrogenspiegel zum Östrus hin seinen Höhepunkt erreicht, kommt es zu einer sehr konzentrierten LH-Abgabe, auch LH-Peak genannt, welche dann zum Eisprung führt. Der Östrogenspiegel sinkt weiter und der Kreislauf beginnt von vorn.

Abb. 4: Die hormonellen Veränderungen während des Zyklus der Hündin im Überblick

Ein weitere Rolle spielt das Hormon Prolaktin. Wenn zum Ende des Metöstrus der Progesteronspiegel sinkt, steigt die Ausschüttung des Prolaktins. Bei trächtigen Hündinnen ist dieses Hormon für die Milchproduktion und die psychische Vorbereitung auf die bevorstehende Mutterschaft zuständig. Aber auch bei Hündinnen die keine Welpen erwarten, findet eine Ausschüttung von Prolaktin statt. Hündinnen durchleben zu diesem Zeitpunkt daher natürlicherweise eine Phase, die bei stärkerer Ausprägung häufig als „Scheinträchtigkeit“ bezeichnet wird. Mehr zum Thema Scheinträchtigkeit , warum sie keine Krankheit sondern sogar ein sinnvoller Einfall der Natur ist, erfahrt ihr demnächst bei uns.

Wir würden dir hier gerne Lese- und Produkttips zum Thema anzeigen Diese haben wir in Form von Affiliate-Links eingesetzt. Datenschutz ist uns wichtig, daher zeigen wir diese nur an, wenn du uns erlaubt hast, alle Cookies zu setzen. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Dort kannst du auch jederzeit deine Einstellungen ändern. Warum wir Werbung schalten und was Affiliate-Links sind, erfährst du hier.

Unterschiede des Sexualzyklus bei Hunden und Wölfen

Der Geschlechtszylus der Haushunde weicht von dem der Wildhunde ab. So hat der weibliche Wolf nur einmal und zwar am Anfang jeden Jahres seine Läufigkeit, damit die Welpen immer im Frühjahr geboren werden. Der Verlust der Saisonalität und das Vorkommen von mehreren Läufigkeiten in einem Jahr ist somit Folge der Domestikation. Übrigens sind auch die männlichen Wölfe außerhalb dieser Zeit nicht fruchtbar.

Merle

Merle

Gründerin von Tardis & Friends

ist studierte Agrarwissenschaftlerin (Fachbereich Tierhaltung und Tierzucht). Neben ihrer Leidenschaft für Tierzucht und Genetik hat sie die Kynologie sowie das populärwissenschaftliche Schreiben für sich entdeckt.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen: