Tardis & Friends Menu
Anmelden

Wie gefährlich sind Grannen für Hunde?

29.06.2021

Was sind eigentlich Grannen und wieso können sie für Hunde gefährlich werden? Wo findet man Grannen und wie kann man ihnen am besten aus dem Weg gehen? In diesem Artikel geben wir dir die wichtigsten Eckpunkte rund um die angsteinflößenden Pflanzenteile an die Hand, so dass du das Risiko für deinen Hund besser einschätzen und ihn vor Verletzungen durch Grannen schützen kannst.

Wie gefährlich sind Grannen für Hunde?

Während manchen Hundehalter:innen noch nie etwas von Grannen gehört haben, sorgen sich andere jährlich mit Beginn der warmen Jahreszeit darum, dass sich ihre Hunde durch Grannen verletzen könnten. Eine Sorge die durchaus nicht unberechtigt ist. Doch in Panik zu verfallen ist selten ein guter Ratgeber und jedem Grashalm aus dem Weg zu gehen ist auch wenig sinnvoll. Es lohnt sich also etwas genauer hinzusehen, um die Gefahren die von Grannen ausgehen zu verstehen, das Risiko für den eigenen Hund besser einschätzen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen zu können.

Was sind Grannen?

Botanisch gesehen sind Grannen haar- bis borstenartige Fortsätze von Pflanzenteilen. Sie sind charakteristisch für viele Pflanzenfamilien, unter anderem die sogenannten Süßgräser (Poaceae), deren Vertreter umgangssprachlich hauptsächlich mit „Grannen“ gemeint sind und auch am ehesten Verletzungen verursachen.

Aufbau einer Grasähre mit Grannen

Warum haben Gräser Grannen?

Die Süßgräser sind eine sehr vielgestaltige Pflanzenfamilie, deren Vertreter weltweit sowohl Naturräume wie Savannen und Steppen, als auch - in domestizierten Formen - bewirtschaftete Flächen wie Wiesen, Weiden und Getreideäcker maßgeblich prägen. Ein Merkmal dieser Pflanzenfamilie sind unter anderem formenreiche Anhängsel der Samen, wie etwa Grannen. Die Grannen sind dabei nützlich, um die Samen durch Wind (Anemochorie ) Wasser (Hydrochorie) oder Tiere ( Zoochorie) effizienter zu verbreiten.

Welche Gräser sind für Hunde gefährlich?

Theoretisch können vor allem die Grannen von bestimmten Vertretern der Gattungen der Trespen, Hafer, Borstenhirsen oder Gersten problematisch werden. Die publizierten Fälle zeigen jedoch, dass in Mitteleuropa am häufigsten die sogenannten Mäusegersten (Hordeum murinum) medizinisch relevant werden. Sie sehen der kultivierten Gerste ähnlich, wenngleich sie nicht so groß werden.  Die Ähren sind unreif, je nach Unterart, von gelbgrün bis rosarot gefärbt.

Als ursprünglich mediterrane Arten mögen es Mäusegersten sonnig und warm und gelten auch deshalb als Indikatorpflanze für Stadtklima und sind typisch für Ruderalflächen, gedeihen also gerade auch an Wegrändern oder Bereichen in Siedlungsnähe – Orte, die sich auf Hundespaziergängen meist kaum vermeiden lassen. In den letzten Jahren nimmt gerade der Bestand der Südlichen Mäusegerste (Hordeum murinum leporinum) an diesen Flächen zu. Mäusegersten blühen von Juni bis Oktober, die Samen sind also ab dem Spätsommer reif und das Risiko der Anhaftung entsprechend hoch.

Mäusegerste mit Grannen am Straßenrand

Was macht Grannen für den Hund gefährlich?

Diese spezielle Anpassung der Gräser an ihren Lebensraum führt dazu, dass die reifen Samenstände sehr brüchig sind und mit ihrer rauen Oberfläche leicht im Fell oder an der Haut der Hunde hängen bleiben. Ein leichtes Vorbeistreifen reicht dazu schon aus. Problematisch kann anschließend die sogenannte anterograde Migration der Samen werden. Durch ihre pfeilartige Form wandern die Pflanzenteile mit der Bewegung des Hundes passiv unter die Haut und gegebenenfalls weiter ins Körperinnere. Da die Grannen wie Widerhaken wirken, wird eine retrograde Migration, also eine Rückwanderung zur Eintrittsstelle, verhindert. Für eingefangene Grannen gibt es entsprechend nur eine Fortbewegungsrichtung.

Aufbau einer Grasähre mit Grannen

Das Aufnehmen der Samen geschieht häufig unbemerkt, außerdem kommt erschwerend hinzu, dass die eigentliche Eintrittsstelle sehr klein und optisch nicht unbedingt auszumachen ist. Infolge der Migration kann es zu verschiedensten Symptomen und sekundären Verletzungen kommen.

Welche Verletzungen können beim Hund  durch Grannen entstehen?

Empirische Auswertungen der Kleintier-Universitätsklinik Brno in Tschechien lassen darauf schließen, dass die Grannen am häufigsten im Zwischenzehenspalt eindringen, gefolgt vom äußeren Gehörgang und dem Augenlid. Allerdings können die Samen theoretisch überall in die Haut kommen. Der Grad der Schwere der verursachten Verletzungen sowie die Symptomatik variieren sehr stark je nach Ort des Eindringens. In eher wenig bewegten, außenliegenden Körperteilen wie Gehörgang oder Augenlid sind sie anfangs noch gut entfernbar. An anderen Stellen gestaltet sich sowohl Entdeckung als auch Entfernung schwierig. Möglicherweise wird die Grannenaufnahme daher erst durch sekundäre Symptome wie Abszesse oder Fisteln entdeckt. In der Literatur werden aber auch viszerale Auswirkungen, wie Harnsteine, die sich um durch den Harntrakt gewanderte Samen gebildet hatten, Trommelfelldurchbohrungen und Infektionen der unteren Atemwege nach Inhalation, beschrieben.

Grannenverletzung beim Hund am Kopf

Wie groß ist das  Verletzungsriskio für Hunde durch Grannen?

Die Sorge, dass sich der eigene Hund durch Grannen verletzt, ist bei vielen HundehalterInnen groß und durchaus nicht unberechtigt. Doch in Panik zu verfallen und sich aus Angst vor den tückischen Süßgräsern Zuhause einzusperren ist wenig sinnvoll. Der ratsamere Weg lautet also, das eigene Risiko richtig einzuschätzen, um anschließend entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. 

Wann sind Grannen zu finden?

Während der Vegetationsperiode, vor allem aber zur Samenreife von Sommer bis Herbst, sollte man besonders achtsam mit Hund unterwegs sein sein. 

Wo findet man Grannen?

Anders als manchmal suggeriert trägt nicht jede Grasart Grannen. Die in unseren breiten besonders relavante Mäusegerste findet man, anders als vielfach angenommen, nicht unbedingt in Wiese und Weiden, sondern insbesondere in urbanen Gebieten – also am Straßenrand, in der Innenstadt oder gar auf dem eigenen Grundstück. Dies macht es gar nicht so einfach der Mäusegerste aus dem Weg zu gehen. Besondere Vorsicht gilt auch bei bereits gemähten Flächen, zum Beispiel am Wegesrand. Werden Pflanzenteile nach dem Mähen liegen gelassen, können diese besonders leicht eingetreten werden. Auch mit grannentragenden Süßgräsern bestelle Felder und deren Feldränder können eine Gefahrenquelle darstellen.

Im Wald hingegen trifft man selten auf relevante Grannen und auch auf bewirtschafteten Weideflächen und Wiesen wird man sie eher nicht antreffen, da hart begrannte Süßgräser nicht als Futtergras geeignet sind.

Sind bestimmte Hunde für Grannen besonders gefährdet?

Junge, beziehungsweise bewegungsfreudige, Hunde sind eher prädispositioniert sich durch Grannen zu verletzen als ältere Hunde. Auch Hunde die gerne am Wegesrand schnüffeln sind einem entsprechend höheren Risiko ausgesetzt. Ein weiterer Risikofaktor ist langes Fell. Je länger das Fell des Hundes, desto eher können sich sich Grannen im Hundefell verfangen. 

Was kann man gegen Verletzungen durch Grannen tun? 

  1. Von Sommer bis Herbst ist es sinnvoll auf seine Umgebung, insbesondere Wegränder, zu achten, um Mäusegerste oder weitere relevante Süßgräser rechtzeitig zu erkennen und den Hund von betroffenen Stellen fernzuhalten. Bei erhöhtem Vorkommen kann es sinnvoll sein andere Routen zu wählen.

  2. Nach Spaziergängen ist es ratsam die prädestinierten Stellen (Abb. 3), aber auch den restlichen Körper abzusuchen, bevor Grannen im Hund „verschwinden” (Abb. 2). Um eine weitere Ausbreitung und Verletzungen anderer Hunde zu verhindern, sollten gefundene Pflanzenteile im Restmüll entsorgt werden. 

  3. Darüber hinaus ist es sinnvoll aufmerksam für Signale des Hundes, wie intensives Belecken, Kratzen, Niesen, Husten, Kopfschütteln oder Lahmheit zu sein und bei Verdacht eine Tierärztin oder ein Tierarzt aufzusuchen.

  4. Gerade an den Pfoten, Beinen und am Kopf ist es ratsam das Fell kurz zu halten, um das Anheften von Samen zu erschweren und das Auffinden von Grannen beim Absuchen zu erleichtern.

  5. Der Kopf des Hundes kann zusätzlich durch Kopfnetze oder Ohrenhauben geschützt werden.

Grannenverletzung beim Hund am Kopf

Grannen und Hund – Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gras im Sommer und Herbst für Hunde nicht, wie manchmal suggeriert, per se gefährlich ist, sondern eher einzelne Gräser-Gattungen und insbesondere die erwähnte Mäusegerste. Letztere ist tendenziell eher ein urbanes Problem. Größere Vorkommen finden sich vor allem an gestörten Flächen und damit vermehrt in Siedlungsbereichen. Trotz dieser Faustregeln gilt natürlich beim Freilauf eine allgemeine Vorsicht und die übliche Rücksicht auf Brut- und Setzzeit beziehungsweise generell Wildtiere, andere Mensch-Hund-Teams, Naturschutzgebiete und auch das Eigentum von Landwirt:innen! Außerdem gibt es für die Grannen-Problematik trotz teils starker saisonaler Häufung der Fälle bisher kaum empirische Auswertungen auch hinsichtlich weiterer Grasarten, wie die Verfasser der tschechischen Studie selber ebendort zu bedenken geben.

Annsophie Schmidt

Annsophie Schmidt

Annsophie hat Forstwissenschaft (B.Sc.) studiert und widmet sich aktuell ihrem Masterstudium Evolution, Ecology and Systematics. Daneben absolviert sie gerade gemeinsam mit ihrem Airedale Terrier Fiete eine Ausbildung zum Artenschutzspürhunde-Team.

Diese Artikel könnten dir auch gefallen: